Freitag, 1. Mai 2015

Mein schubLaden - meine Erfahrungen, meine kleine Abrechnung und viel Vorfreude


Diesen Post schiebe ich jetzt schon ein Weilchen vor mir her, wollte ihn eigentlich noch vor der Schließung meines Ladens veröffentlichen, jetzt wird es mitten im Umzugschaos. Ich habe viel überlegt, wie ich das hier schreibe, um ehrlich zu sein, ein richtiges Bild zu schaffen und dabei niemanden auf den Schlips trete. Wir werden sehen, ob es mir gelingt.

Im Oktober 2012 habe ich einen eigenen Laden eröffnet. Alles war zunächst nur ein nebenher zusammen mit meinem Vater. Ein paar Märkte, Aufträge für Freunde neben der Arbeit und dem Studium, die aber sehr viel Spaß gemacht haben. Und immer mal wieder die Frage, ob man einen Laden hätte. Die Idee ließ mich nicht los. Und als ich nach dem Studium einen nicht sehr befriedigenden Job hatte, widmete ich mehr Zeit und Motivation dieser Idee und nahm an einem Gründercamp von dresden exists teil. Im Zuge einer Hausaufgabe habe ich mich mit Ulrike Rüttinger von der U.R. Galerie unterhalten, die ich als Organisatorin der Kunsthandwerkermärkte im der Kunsthofpassage Dresden kennengelernt hatte und ein ähnliches Konzept fährt, das eigene Sortiment mit Produkten anderer zu ergänzen. Die Kunsthofpassage ist ein Komplex fünf kleinerer künstlerisch und architektonisch individuell gestalteter Höfe inmitten der Dresdner Neustadt. Über Ulrike bin ich auch an das frei gewordene Ladengeschäft gekommen. Damals eine sehr spontane Entscheidung, ein Wochenende hatte ich Zeit zu überlegen und innerhalb von zwei Wochen habe ich den Laden aufgemacht. Ein kleiner Traum wurde war. Über Märkte hatte ich ja schon viele nette Menschen kennengelernt, die ich einlud ihre Produkte in meinem Laden auszustellen, andere sprachen mich von sich aus an und wieder andere Kooperationen entstanden durch die DaWanda Verkäufertreffen (ein neues ist für den Mai geplant - schau mal hier) oder über ganz andere Ecken und so war das Kommissionsgeschäft und die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen ein fester Bestandteil des schubLadens. Aus vielen Partnern sind Freunde geworden, das freut mich sehr.


Über zweieinhalb Jahre habe ich den Laden jetzt geführt, mehr oder weniger ins kalte Wasser gesprungen und bin des alleine Kämpfens mitterweile ein wenig müde geworden. Ich habe mich in Buchhaltung gefitzt, schreibe Rechnungen, plane Markttermine, erledige Aufträge. Das organisatorische nimmt einen großen Teil meiner Zeit ein und so bleibt oft wenig Raum für Kreatives. Zeit neue Produkte zu entwickeln, das fehlt mir immer mehr. Wenn man sechs Tage die Woche im Laden steht, vorher am Rechner sitzt, dann schnell zur Post flitzt und jeden dritten Sonntag auf einem Markt steht, kommen Zweifel über die Effektivität, Zeitmanagment und Organisation. Zunächst überlegte ich die Öffnungszeiten zu ändern. Einen Geschäftspartner zu haben erschien mir jedoch in vielerlei Hinsicht sinnvoller, denn meinen Ladentraum wollte ich nicht aufgeben. Zum einen kann man sich natürlich in die Aufgaben hineinteilen – und hat so vielleicht mehr Zeit für das, was einem Spaß macht. Zum anderen halte ich es für motivierend zu wissen, dass man nicht nur für sich allein arbeitet. Außerdem kann man Erfahrungen und Erlebnisse mit jemandem teilen, der einem versteht - das habe ich bei gemeinsamen Marktständen mit Kooperationspartnern immer genossen. Und diese Erfahrungen sind nicht immer positiv. Versteht mich nicht falsch, der Laden ist mein Traum, aber es gibt Tage, Menschen und Worte die lassen einen zweifeln. Nicht alle Menschen denen man beruflich begegnet sind glücklich, lassen sich auf meinen Laden ein oder zeigen überhaupt Respekt gegenüber handgearbeiteten Sachen. Trotz eingeführtem Verbotsschild werden oft ungefragt Fotos gemacht. Es gab Tage, da kann ich Das kann man ganz leicht selber machen nicht mehr hören. Ideen muss man haben - knips! Ach, den ganzen Tag rumbasteln, das würde ich auch gern machen - Ja, wenn es so wäre.

Es gibt aber auch ebenso viel Lob oder witzige Beobachtungen. Viele sind ja der Meinung, dass man meine Hakenleisten ganz leicht nachmachen kann. Weiblichen Kunden sind da oft begeistert und sagen ihren Männern, sie sollen das bitte nachbauen. Es passierte aber auch mal sowas:

Frau: Die Hakenleisten sind ja schön, sowas kannst du mir doch auch mal machen.
Mann: Wieso, wenn du das schön findest, dann kannst du dir das auch einfach mal kaufen. Ich kauf mir doch nicht extra einen 20er Bohrer um den einmal zu benutzen.

oder

Frau: Die Hakenleisten sind schön!
Mann: Das kann ich dir auch selber bauen.
Frau: Ja, wann denn? Bei wievielen Sachen hast du das schon gesagt, die ich nie bekomen habe. Ich kauf mir die jetzt.

Ich möchte daran glauben, dass es wieder zunehmend Menschen geben wird, deren Prioritäten anders liegen, die Gutes zu schätzen wissen, denen saubere Arbeit und Qualität mehr wert ist als Show und Konsum und die mit Selbstverständlichkeit gute Arbeit auch anständig bezahlen.


Aus dem großen Vorteil der Selbstständigkeit, dem selbstbestimmten Arbeiten, nach eigenen Vorstellungen in Bezug auf Ort und Zeit, wurde immer mehr zum Schein. Gut, der Ort war mit meiner Ladenwerkstatt festgelegt. Mit der schönen Werkbank und der sonnigen Dachterrasse jetzt nicht der schlechteste, allerdings ließ die Objektbetreuung zu wünschen übrig. Mit meinem feuchten Keller konnte ich wenig anfangen. An die Idee mit dem Kursraum im Gewölbekeller war mit der kaputten Lüftung in dem feuchten Raum nicht zu mehr zu denken. Dazu kam, dass die Werkstattecke eigentlich von Anfang an zu klein war. Im Laufe der Zeit, mit steigenden Aufträgen (vorallem der Briefkästen), Treibholzvorräten und Rohlingen, wurde das immer deutlicher, manchmal gar nervig. Etwa wenn man dann mal zu zweit hinter der Ladentheke und an der Werkbank stand.

Als ich zu dem Laden kam, dachte ich, Kunsthofpassage, was für eine besondere Location, mit so vielen tollen Läden, als Tipp in jedem Reiseführer. Dahinter stecken bestimmt kreative Köpfe. Bei Vermietung wird ja auch darauf geachtet, dass nur besondere Ladenkonzepte und keine Ketten oder ähnliches sich einmieten. Aber so eine zusammengewürfelte Interessengemeinschaft machte kein kreatives Kollektiv, eigentlich machte jeder am liebsten Seins, auf seinem Weg und das Organisieren gemeinsamer Feste war ein einziger Krampf. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich habe das nie richtig verstanden, fand das bedauerlich und so wandelte sich das anfängliche Engagement in Resignation. So bin ich wenigstens jetzt nicht allzu wehmütig, den Kunsthof verlassen zu müssen. Das ist natürlich in Bezug auf meine Ladennachbarin und meine Dachterrasse (Offtopic: Grund mehr den heimischen Balkon fit zu machen :-) anders! Ulli hat mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden und sogar weiterhin meine Produkte mit in ihr Sortiment nimmt, damit ich im Kunsthof präsent bleibe ♡ Allen wundernden Kunden wird sie Auskunft geben, da bin ich mir sicher. Aber die Kunsthofpassage liegt ja künftig auch auf meinem Arbeitsweg, da werde ich sicherlich öfter auf einen Plausch vorbei kommen, meinen Tee wie gewohnt im weltbesten Teeladen holen oder eine Kugel Eis im Tiki. Und gleich eine zweite, denn es gibt ein zweites Tiki im Hecht, fast neben unserem neuen Laden. Ein bißchen Beständigkeit ist ja auch gut!

Und so wünsche ich uns ganz egoistisch viel Erfolg, eine schöne Zeit zu zweit und viele liebe Kunden, die Handgemachtes zu schätzen wissen und auch bereit sind dafür anständig zu zahlen.

Und jetzt Schluss mit der Ernsthaftigkeit. Wer hier mitliest und nicht weit weg wohnt, der sei herzlich eingeladen zu unserer Eröffnungswoche vom 4. - 9. Mai 2015. Oder auch wer weiter weg wohnt und später mal ach Dresden kommt sei herzlich eingeladen.

Rudolph-Leonhard-Str. 34
01097 Dresden

Außerdem haben wir den ersten Kursplan erstellt und wollen das zukünftig erweitern, weitere Gastkursleiter einladen und Feedback sammeln. Über erste Anmeldungen freuen wir uns!

Vielen Danke für Eure Aufmerksamkeit bei diesem langen Post!     Antje

P.S.: Die schönen Bilder hat die liebe Juliana von Chrononauts Photography 2013 gemacht.

Kommentare:

  1. Liebe Antje,

    leider gibt es in der Tat immer wieder Leute, die meinen, sie könnten alles selber machen für weniger Geld. Sollen sie doch.... Ähnliche Erfahrungen habe ich mit meinem Grafikdesign auch gemacht, da wunderten sich die potentiellen Kunden, wie viel das kostet (weil sie nicht wissen, dass man vieeele Stunden dran sitzt, vor allem an Fotobearbeitung) und meinten, so was können sie auch - in Word wahrscheinlich mit einer "Comic Sans" Schrift.. Ich wünschte mir auch, es gäbe mehr Menschen, die Handarbeit und solche Arbeit, die ich mit meinem Grafikprogramm mache, schätzen wissen und auch bereit sich, für etwas Besonderes mehr zu zahlen. Du solltest eine Gebühr für die Fotomacher verlangen, dann würden sie sofort aufhören ;-).

    Ich wünsche Dir viel Spaß und Erfolg im neuen Laden und komme bestimmt besuchen, sollte ich mal in Dresden sein - so bin ich ja viel zu weit weg...

    LG Ioana

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  2. Danke für deine lieben Worte Ilona. Ich hatte wahrlich eine Foto- bzw. Trinkgeldkasse eingeführt und mir davon immer Kaffee oder Eis gegönnt :)
    Es gibt auch viele Menschen, die das zu schätzen wissen, es ist schön auf solche zu treffen und solche als Kunden zu haben. Leider gibt es gefühlt auch mindestens genauso viele, die das nicht zu schätzen wissen. Die müssen noch umerzogen werden ;)

    Wenn du in Dresden bist, sag wirklich mal bescheid :) Sonnige Grüße, Antje

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